Duales Studium – „Perfektes Sprungbrett ins Unternehmen..“

22.02.2021
Aktuelles

Ein Duales Studium kombiniert praktische und akademische Ausbildung – und bietet Unternehmen eine hervorragende Chance, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Bärbel Schwertfeger, Ausgabe 02/21

»Das ist echt cool«, findet Michael Bauer. »Erst habe ich überlegt, ob ich eine Ausbildung oder ein Studium beginne, und dann bot mir das Unternehmen link protect an, beides zusammen zu machen.« Bauer begann zunächst ein Jahr mit der Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration in dem IT-Systemhaus. Dann studierte er an der Fachhochschule Rosenheim Informatik. Inzwischen ist er im fünften Semester.

Die Semesterferien verbrachte er im Betrieb und seit Herbst absolviert er ein Praxissemester. »Das war schon hart«, erklärt der 24-Jährige. Denn in der Zeit musste er auch die Prüfung zum Fachinformatiker ablegen, bevor er dann nach einem weiteren Semester seine Bachelorarbeit schreibt. »Im Betrieb bekommst du gesagt, was du tun musst, und arbeitest praktisch«, erzählt er. »Im Studium geht es vor allem um Theorie und du musst viel selbstständig lernen und organisieren.« Das halte er für eine gute Kombination.

Michael Bauer absolviert ein ausbildungsintegrierendes Verbundstudium. Dabei bekommt der Mitarbeiter in 4,5 Jahren sowohl einen anerkannten Ausbildungs-, als auch einen Bachelor-Abschluss.

»Da macht man zum Beispiel eine Ausbildung zum Industriemechaniker und studiert gleichzeitig Maschinenbau«, erklärt Franz Boos, wissenschaftlicher Leiter von hochschule dual – Bayerns Netzwerk für duales Studieren in München, das seit 2006 die dualen Studienangebote an den staatlichen bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und den Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft bündelt. Inzwischen habe man über 1.600 Unternehmen als Praxispartner, die überwiegend sehr zufrieden mit dem Angebot seien.

Positive Erfahrungen

Zufrieden ist auch Frank Mann, Geschäftsführer des IT-Systemhauses link protect GmbH in Kirchseeon. Vor drei Jahren habe er sich Gedanken gemacht, wie man gute Mitarbeiter gewinnen könne, und dabei erkannt: »Wenn wir in der Oberliga mitspielen wollen, brauchen wir Mitarbeiter mit einem guten theoretischen Verständnis und einer fundierten Ausbildung«, so der Chef von 35 Mitarbeitern. Doch die auf dem Markt zu gewinnen, sei für ein kleines Unternehmen schwer.

Bewährte Fachkräfte halten

Michael Bauer ist schon der zweite Mitarbeiter in dem Betrieb, der ein Duales Studium absolviert. Beim ersten Mitarbeiter war die Situation allerdings anders. Er hatte bereits seine Ausbildung zum Fachinformatiker bei link protect absolviert und wollte dann studieren. »Wir haben überlegt, wie wir ihn halten können, und ihm ein Duales Studium angeboten«, erklärt Geschäftsführer Mann.

Das »Studium mit vertiefter Praxis« ist ein reguläres Bachelorstudium an der Hochschule mit intensiven Praxisphasen im Unternehmen. Es dauert 3,5 Jahre und beinhaltet 16 Monate Praxis plus eine dreimonatige Bachelorarbeit. Inzwischen hat der Mitarbeiter das Studium abgeschlossen und seit Januar eine Festanstellung bei link protect.

offene Stellen bei der link protect GmbH

Ingenieurwissenschaften stark vertreten

Ein Duales Studium ist ein Erfolgsmodell. Die Zahl der dualen Studenten an den öffentlichen Hochschulen steigt von Jahr zu Jahr und lag zuletzt bei mehr als 8.000 Studierenden. Auch die Studienangebote nehmen stetig zu. Gab es im Wintersemester 2016 bayernweit erst 145 dual studierbare Bachelor-Studiengänge, so waren es vier Jahre später bereits 200. Besonders stark vertreten sind die Ingenieurwissenschaften. Gerade in diesen Bereichen sei nicht nur der Fachkräftemangel besonders groß, sie seien auch für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Industrie von großer Bedeutung, betont Boos von hochschule dual.

Mehrheit wählt ausbildungsintegriertes Verbundstudium

Dabei wählen rund zwei Drittel der dualen Studenten an den öffentlichen Hochschulen das ausbildungsintegrierte Verbundstudium, darunter überproportional viele Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern. Für kleinere Betriebe sei das Studium allein oft noch ein ungewohntes Feld, erklärt der wissenschaftliche Leiter. Beim »Studium mit vertiefter Praxis« seien dagegen vor allem die größeren Betriebe engagiert, die aber auch insgesamt den größeren Anteil der dual Studierenden stellen. Auch bei der Vergütung gibt es Unterschiede. Zahlt der Betrieb beim Verbundstudium in der Regel während des gesamten Studiums das tarifliche Lehrlingsgehalt, fehlen beim »Studium mit vertiefter Praxis« solche Vorgaben.

Und noch einen weiteren Unterschied gibt es zwischen öffentlichen und privaten Hochschulen. Während der duale Student bei Ersteren nur eingeschrieben wird, wenn er einen Vertrag mit einem Praxispartner vorlegt, kann das Studium bei den Privaten auch ohne Praxispartner beginnen.

Mitarbeiterauswahl mit mehr Aufwand

Für die Unternehmen bedeutet das duale Studium einen gewissen Mehraufwand. »Die müssen die richtigen Mitarbeiter auswählen, brauchen eine sorgfältige Einsatzplanung und einen Betreuer bei der Bachelorarbeit«, sagt Boos von hochschule dual. Dafür erhielten sie hochqualifizierte Absolventen, die sofort an den Start gehen können und keinerlei Einarbeitung benötigen.

»Nicht nur für den Studierenden, auch für den Betrieb ist es eine Herausforderung, Ausbildung und Studium abzustimmen«, bestätigt Julia Schuder, Personalreferentin bei der BAUER Elektroanlagen Süd GmbH & Co. KG in Buchbach bei Mühldorf. Aber bisher sei man gut damit klargekommen.

»Wichtig ist uns vor allem, dass die Studierenden eine gute Bindung zum Unternehmen aufbauen und im ersten Jahr im Betrieb die internen Abläufe und das Team kennenlernen«, erklärt Schuder. Mit dem Angebot des dualen Studiums wolle man breiter aufgestellt sein und auch Abiturienten ansprechen.

Eigenständiges Erarbeiten von Themen, kein Pauken

Im Studium bräuchten die Mitarbeiter viel Eigeninitiative und die Fähigkeit, strukturiert an Problemstellungen heranzugehen. »Es gibt immer wieder Aufgabenstellungen, bei denen sie theoretische Grundlagen mit praktischem Wissen verknüpfen müssen«, beobachtet die Personalreferentin. Aber gerade dieses eigenständige Erarbeiten von Themen sei oftmals wichtiger als das bloße Lernen von Inhalten. Das gilt auch für die Bachelorarbeit, bei der Studierende ein unternehmensspezifisches Thema mit wissenschaftlichen Methoden und mit der Unterstützung eines Professors bearbeiten müssen.

Theorie und Praxis verbinden

Davon profitiert auch der Betrieb. So erstellte zum Beispiel ein dualer Student bei BAUER einen Leitfaden zur Projektabwicklung, der die Prozesse im Bauablauf weiter optimieren soll. Bei link protect entwickelte ein Mitarbeiter mit dem Cyber Security Monitoring sogar einen neuen Service, bei dem das IT-Systemhaus die IT von Unternehmen überwacht. »Wir haben so ein fast fertiges neues Produkt bekommen«, freut sich Geschäftsführer Mann.

Variante 2: Duale Master-Studenten

Noch passgenauer können Unternehmen betriebliche Herausforderungen manchmal mit einem dualen Master-Studenten angehen. »Der Vorteil ist, dass es etliche sehr spezialisierte Master-Studiengänge gibt«, erklärt Boos von hochschule dual. Beim »Masterstudium mit vertiefter Praxis« verbringen die Teilnehmer mindestens 34 Wochen – vorwiegend in der vorlesungsfreien Zeit – beim Praxispartner. Notwendig ist auch hier ein Vertrag mit dem Unternehmen, in dem die Arbeitszeit und die Vergütung festgelegt sind.

In Bayern bieten bisher rund zehn Hochschulen einen dualen Master an. Tendenz steigend. Im Wintersemester 2019/20 gab es 214 Masterstudenten, 45 mehr als im Vorjahr. »Da steckt noch viel Potenzial drin«, glaubt Boos. »Denn damit sichert sich ein Unternehmen auch den Technologietransfer von der Hochschule in die Praxis.«